Interview mit Dipl.-Ing. Bernward Kraus

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3. Interview mit Dipl.-Ing. Bernward Kraus (BK_Architekten), Architekt StattHaus

Herr Kraus, Architekt StattHaus
 

Was ist das Besondere an einem Projekt wie dem StattHaus aus Sicht eines Architekten?

Dass man sich mit dem Krankheitsbild beschäftigen und sich hineindenken muss, um eine optimale Lösung zu entwickeln. Es ist keine alltägliche Aufgabenstellung, für die es bereits bewährte Lösungen gibt.

Worauf kommt es aus Ihrer Sicht vor allem an, wenn man eine solches Projekt umsetzen und aus einer Villa ein Wohnhaus und einen Wohnraum für Menschen mit Demenz gestalten möchte?

Die Villa wurde eigentlich als Schulgebäude errichtet und im Laufe der Zeit für wechselnde Anforderungen immer wieder umgebaut, zuletzt mit einem – aus heutiger Sicht – scheußlichen Anbau aus den 70er Jahren. Glücklicherweise waren die ursprünglichen Pläne in den Bauakten noch vorhanden, so dass die ehemals vorhandenen Grundrisse als Grundlage für den Rückbau und gleichzeitige Neuinterpretation dienen konnten. Bei solchen Aufgaben kommt es nach meiner Auffassung vor allem darauf an, die ursprüngliche Gestaltungsqualität (sofern vorhanden) aufzuspüren und diese als Grundlage für die eigenen Überlegungen heranzuziehen. Anders ausgedrückt: Wo einmal Qualität vorhanden war, kann diese mit behutsamen Mitteln wieder reaktiviert werden. Wo es nie eine gab, kann oder muss man freier an die Aufgabe herangehen und mit Hilfe eigener Interventionen eine neue, bauliche Qualität schaffen. Gebäude aus der Gründerzeit eignen sich aufgrund ihrer Struktur für solche Umnutzungen meist besser als Gebäude des Funktionalismus, wo Räume aufgrund ihrer (funktionalistisch) bestimmten Nutzung z. B. Küche schwer als Schlafraum umgenutzt werden können.

Wie sind Sie an die Aufgabe herangegangen?

Zuerst habe ich die Struktur des Bestandes analysiert, um das gewünschte Raumprogramm in den ersten Entwürfen sinnvoll darin unterzubringen. Da es mehrere Lösungen gab, wurden diese mit der Projektleitung der Stiftung diskutiert und zunehmend weiterentwickelt, bis der nun verabschiedete Entwurf feststand.

Können Sie kurz erklären, wie das StattHaus grob aussehen soll?

Die straßenseitige Natursteinfassade bildet das prägnante „Gesicht des Hauses“, der im Süden liegende, gartenseitige Anbau wird zu einem lichtdurchfluteten „Wintergarten“ mit Dachterrasse umgestaltet. Das bestehende, großzügige Schultreppenhaus bleibt erhalten und verbindet, zusammen mit einem behindertengerechten Aufzug, sämtliche Etagen miteinander. Der Gebäudegrundriss ähnelt einem H, wo sich in den Stirnseiten, den ehemaligen Klassenzimmern, die privaten Räume der Bewohner befinden. Der große, zentrale Flur wird als gemeinsamer Wohn-, Ess- und Aufenthaltsbereich gestaltet. Beim Innenausbau werden hauptsächlich natürliche und baubiologisch unbedenkliche Materialien eingesetzt. In Abstimmung mit dem Denkmalamt erhalten die großen Fensteröffnungen neue, denkmalgerechte Sprossenfenster. Zudem achten wir darauf, dass wir viel Tageslicht und ausreichende Lichtstärken für Senioren schaffen.

Gibt oder gab es evtl. Ideen, die aufgrund von Hindernissen oder Voraussetzungen nicht umgesetzt werden können?

Eine energetische Sanierung des Gebäudes kann aufgrund des Denkmalschutzes nur eingeschränkt erfolgen. Diese Maßnahmen konzentrieren sich auf den Ausbau des Untergeschosses, des Daches sowie der Neugestaltung des Anbaus.

Was sind die nächsten Schritte?

Derzeit arbeiten wir an dem Brandschutzkonzept und den Bauantragsunterlagen. Da für wesentliche Teile des Gebäudes keine statischen Unterlagen existieren, muss eine ausführliche statische Bestandsuntersuchung erfolgen. Hierfür wird ein Teil der Gebäudesubstanz wie Stahlträger, Holzbalkendecken und der Dachstuhl freigelegt. Parallel erfolgen die Fachplanungen zur Erneuerung der Haustechnik.

Was war/ist für Sie bisher die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung bei Sanierungsmaßnahmen und Nutzungsänderungen von Altbausubstanz ist, die Diskrepanz zwischen einer Kostenschätzung im Vorfeld und nach erfolgter Bausubstanzuntersuchung möglichst klein zu halten. Trotz unserer Spezialisierung auf solche Bauaufgaben erlebt man immer wieder Überraschungen. Da es noch keine „Röntgengeräte“ für Altbausubstanz gibt, kann man nur durch umfassende und sorgfältige Untersuchungen im Vorfeld versuchen das sogenannte Unvorhergesehene zu vermeiden oder möglichst klein zu halten.

Herr Kraus, vielen Dank für das Interview.  

 

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