Studie: Einbindung im Wohnquartier ist wichtiges Kriterium für Selbstbestimmung und Integration

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Studie: Einbindung im Wohnquartier ist wichtiges Kriterium für Selbstbestimmung und Integration

Eine von der Hans und Ilse Breuer-Stiftung unterstützte Studie der Evangelischen Hochschule Darmstadt (PDF-Dokument) hat bestätigt, dass Teilnahme und Teilhabe am Alltagsleben für Menschen mit Demenz maßgeblich zu einer positiven Lebenssituation beiträgt. Fünf Jahre lang wurde in zwei ambulant betreuten Wohngemeinschaften in Darmstadt untersucht, wie sich das gemeinschaftliche Engagement von Mietern, Angehörigen und ehrenamtlichen Bürgerhelfern auf die subjektiven Lebensbedingungen von Menschen mit Demenz auswirkt. Dafür wurden über 30 Interviews mit Betroffenen sowie mehrere Gruppendiskussionen mit Angehörigen, gesetzlichen Betreuern und Mitarbeitern geführt. Das Ergebnis war äußerst positiv. 

Nun sollen die Ergebnisse genutzt werden, um kommunale Strukturen im Hinblick auf ein demenzfreundliches Zusammenleben weiterzuentwickeln. „Es ist dringend notwendig, einen erweiterten Blick auf Menschen mit Demenz einzunehmen, der über die naturwissenschaftlich-medizinische Perspektive hinausgeht und die sozialen und psychischen Aspekte in den Vordergrund stellt“, erklärt Roland Bergfeld, Vorstand der Hans und Ilse Breuer-Stiftung. „Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind, werden in der Regel in Entscheidungsprozesse, die ihre Person angehen, nicht einbezogen. Dieser längst überfällige Perspektivenwechsel von der Objekt- zur Subjektperspektive hat in der Studie Berücksichtigung gefunden.“, so Bergfeld weiter.

Es geht darum, ein Leben mit Demenz als eine mögliche Form des Alterns zu respektieren und von einer Pathologisierung und insbesondere einer Stigmatisierung der betroffenen Menschen und ihrer Angehörigen wegzukommen. Ambulant betreute Wohngemeinschaften sind ein wichtiges Infrastrukturelement, wenn es um quartiersnahe Systeme für Menschen mit Demenz geht. Diese Projekte haben sich längst aus der Wahrnehmung als "exotische Modellprojekte" befreit. Sie haben bundesweit zum Paradigmenwechsel beigetragen, dessen Ziel es nach wie vor ist, vom trägergesteuerten Versorgungssystem im gesamten Bereich der Altenhilfe weg zu kommen und ein nutzerorientiertes System zu entwickeln.

Im Kontext der Förderung von demenzfreundlichen Kommunen tragen die Erfahrungen in ambulant betreuten Wohngemeinschaften dazu bei, diese in den weiteren Gestaltungsprozess einzubeziehen. Die Studie soll mit dazu beizutragen, die sozialen Herausforderungen von Demenz leichter zu bewältigen, indem ziviligesellschaftliches Engagement weiter aktiviert wird. Damit soll sie Initialzündung sein für die Entstehung und Entwicklung neuer sozialer Milieus, in denen Demenz selbstverständlich zum Alltag gehört.

 

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