Statthaus-Newsletter Juli 2011

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Inhalt

Vorwort

Es ist soweit: Das StattHaus in der Geleitsstraße 94 im Zentrum von Offenbach nimmt im wahrsten Sinne Formen an. Der Vertrag für den Hauskauf ist unterschrieben, der Umbau der denkmalgeschützten Stadtvilla in eine ambulant betreute Demenz-Wohngruppe inklusive Beratungsstelle und Kultur-Café kann beginnen. Wie Sie vielleicht schon gelesen oder gehört haben, handelt es sich um ein hessenweites Pilotprojekt. Für uns Grund genug, Sie an diesem auch für uns außergewöhnlichen Vorhaben teilhaben zu lassen und regelmäßig über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren. Darüber hinaus möchten wir Ihnen jeweils interessante Personen hinter dem StattHaus vorstellen und auch sonst gibt es die eine oder andere spannende Geschichte, wichtige Termine sowie Hintergrundinformationen.

Sollten Sie kein Interesse an diesem Newsletter haben, geben Sie uns bitte einen kurzen Hinweis. Natürlich freuen wir uns über Rückmeldungen, Lob und Kritik oder wenn Sie ihn an interessierte Freunde und Bekannte weiterleiten.

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen

die Hans und Ilse Breuer-Stiftung
 

 

Erste Begegnungen – Informationsabend am 9. Juni 2011

 

Rund 1,2 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer dementiellen Erkrankung, davon etwa 1.200 in Offenbach. Für Betroffene wie Angehörige bedeutet diese Diagnose einen großen Einschnitt im Alltag. Dass ab Sommer 2012 mitten in der Stadt ein Angebot entstehen wird, Erkrankten ein möglichst selbstbestimmtes Leben in privater Form zu ermöglichen, zog am 9. Juni rund 30 interessierte Offenbacher Bürger aus dem Offenbacher Westend und damit der Nachbarschaft des StattHauses in die Frankfurter Straße 113. Dort befindet sich das Massatelier „1001 Nacht“. Deren Besitzerin Yasemin Sönmez hatte sofort angeboten, das behagliche und gemütliche Ambiente für die Vorstellung des Projekts zur Verfügung zu stellen. Es war der perfekte Rahmen für das Thema des Abends, wie später Gäste und Gastgeber begeistert feststellten.

Ebenfalls vor Ort: Bürgermeisterin Birgit Simon, die zu Beginn der Informationsveranstaltung eine Begrüßungsrede hielt. In dieser betonte sie noch einmal, wie wichtig es sei, das StattHaus als ambulanten und alternativen Versorgungsbaustein in die Altenhilfe-Strukturen Offenbachs einzubinden. Danach erklärte der Vorsitzende der Hans und Ilse Breuer-Stiftung, Roland Bergfeld, welche Ziele und Aufgaben sich die Stiftung seit 2000 im Kampf gegen die Alzheimer -Demenz gesteckt und welchen Stellenwert das StattHaus als bislang einzigartiges Projekt im Rahmen dieser Arbeit habe. „Mit dem StattHaus gehen wir erstmals eigene, neue Wege in der Betroffenenhilfe. Wir freuen uns, die bisher gesammelten Praxis-Erfahrungen und neuen Erkenntnisse hier langfristig umzusetzen, zu fördern und weiterzuentwickeln.“

 
 

Unter dem Motto „Betreuung, Beratung, Begegnung“ zeigte Projektleiterin Jutta Burgholte-Niemitz den Anwesenden anschließend, was in der denkmalgeschützten Stadtvilla mit dem idyllischen großen Garten konkret entstehen wird: „Es soll ein Ort werden, in dem Menschen mit Demenz die Normalität des Alltags weiterhin erleben und in einer familienähnlichen Struktur privat wohnen. Zudem sollen Angehörige neben ambulanten Pflegekräften zu Experten werden, freiwillige Bürgerhelfer als Entlastung unterstützen und vor allem Berührungsängste in der Gesellschaft abgebaut werden“, erklärte sie. Doch nicht nur das: Während die Betroffenen in zwei Stockwerken in hellen freundlichen Zimmern in Begleitung von Pflege- und Betreuungskräften kochen, essen, schlafen und verschiedenen Aktivitäten nachgehen, wird eine Etage zu einer Beratungsstelle mit mehreren Seminarräumen und betreuenden Tagesangeboten für Menschen mit Demenz ausgebaut. Im Untergeschoss planen die Verantwortlichen einen Treffpunkt für Austausch, Mittagstisch und Veranstaltungen in Form eines öffentlich zugänglichen Info- und Kultur-Cafés. Erste Kooperationsgespräche mit der Esswerk gGmbh wurden bereits geführt. Nach dem Vortrag gab es Zeit für die zahlreichen Fragen seitens der Besucher, bevor es am Buffet Gelegenheit zu weiteren Unterhaltungen unter vier Augen gab.

 
 

An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an Frau Yasemin Sönmez für die Nutzung des Ateliers, an Herrn Mike Gräf von der Esswerk gGmbh (Lebensräume e.V.), der für ein rundum gelungenes Catering gesorgt hat sowie an alle Teilnehmer, die mit ihrem Interesse, ihren eigenen Erfahrungen mit dem Thema Demenz, den Fragen und sonstiger Unterstützung mithelfen, das StattHaus mit Leben zu füllen.

 

Das StattHaus stellt sich vor – Mainuferfest am 18./19. Juni 2011

Es war ein Jubiläum: Zum 25. Mal fand an der Offenbacher Mainuferpromenade zwischen Schloß- und Speyerstraße bis hin zur Kirchgasse das jährliche Mainuferfest statt. 123 Vereine und Institutionen stellten aktuelle Projekte vor, Bilder und andere Kunstwerke aus oder zeigten Beispiele aus ihrer Arbeit. Es war auch eine Premiere, denn zum ersten Mal nahm die Hans und Ilse Breuer-Stiftung teil. Direkt gegenüber dem Lili-Park mit seinem Denkmal hatte sich Projektleiterin Jutta Burgholte-Niemitz mit ihrem Stand postiert. Übrigens in direkter Nachbarschaft zur Seniorenhilfe, die freundlicherweise mit einem Zelt und anderen Ausstattungsgegenständen aushalf. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle für diese wertvolle Unterstützung!

Letztlich waren es – und das ist das wichtigste – zwei Tage mit zahlreichen aufschlussreichen und vor allem hilfreichen Gesprächen. Jutta Burgholte-Niemitz: „Es gibt diejenigen, die bei dem Thema schnell vorbeilaufen, weil sie sich damit nicht beschäftigen möchten. Es gab aber auch etliche, die nach einem kurzen Stutzen näherkamen und uns ihr persönliches Schicksal schilderten. Eine Dame, die selbst betroffen ist, wäre am liebsten sofort eingezogen und hat sich direkt in die Interessentenliste eingetragen. Ein Zeichen, wie hoch der Bedarf an alternativen Wohnformen auch hier in Offenbach ist. Und ein Beweis dafür, dass noch einiges an Aufklärungsarbeit nötig sein wird, um den Menschen die Ängste zu nehmen beziehungsweise Erkrankte selbstverständlich in die Gesellschaft zu integrieren.
 

 
 

Der Informationsstand der Breuer-Stiftung am Offenbacher Mainuferfest. Projektleiterin Jutta Burgholte-Niemitz (Mitte) freute sich über die wertvolle Unterstützung der Seniorenhilfe Offenbach mit Rainer Sensi und Rita Stoltz.

 
 

Interesse auch seitens der Stadtoberen: Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider (rechts) ließ es sich ebenso wenig nehmen, an den Stand der Breuer-Stiftung zu kommen wie Bürgermeisterin Birgit Simon.

 

Interview mit Jutta Burgholte-Niemitz, Projektleiterin StattHaus

 

Frau Burgholte-Niemitz, Sie sind seit 13 Jahren als Sozialarbeiterin im Bereich Demenz tätig. Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?
Natürlich ganz verschiedene, die Bandbreite reicht von sehr guten bis hin zu erschreckenden Erfahrungen. Die meisten stationären Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser decken zwar die Grundbedürfnisse alter und pflegebedürftiger Menschen, sind aber nicht ausreichend auf Menschen mit Demenz eingestellt, die mehr und mehr die Fähigkeit verlieren sich anzupassen. Diese benötigen mehr als Körperpflege, Essen und Trinken, sie brauchen eine individuelle Ansprache, Orientierung an den noch vorhandenen Ressourcen und immer wieder angemessene Impulse und Bewegung. Deshalb habe ich mich vor 10 Jahren dafür entschieden, mich für alternative und ambulante Wohn- und Betreuungsformen einzusetzen. So kam ich zur Breuer-Stiftung, mit der ich bereits unter anderem die Wohngruppe „Villa Mathildenhöhe“ in Darmstadt aufbauen konnte. Das StattHaus hat jedoch noch einmal eine ganz neue Dimension.

Was ist Ihr Anliegen mit dem StattHaus?
Allmählich rückt die Krankheit ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, aber sie ist weiterhin mit Angst, Unsicherheit und vor allem immer noch mit Unwissen besetzt. Daher schließe ich mich der Forderung vieler Fachkollegen nach einer neuen Kultur im Umgang mit Demenz an. Neben der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit soll insbesondere das „Person sein“ der Betroffenen gestärkt werden. Dazu wird unser kontinuierliches Bemühen des Brückenbauens zur Welt der Menschen mit Demenz im Mittelpunkt stehen. Mein Ziel ist es, dass wir im StattHaus miteinander und voneinander lernen, dass ein Bürger-Profi-Mix zu mehr Entlastung für pflegende Angehörige führt und durch vielfältige Angebote Menschen mit Demenz am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Durch ein tägliches Miteinander ohne Berührungsängste ist ein würdevolles Leben mit Demenz möglich. Dazu sind allerdings gewisse Rahmenbedingungen notwendig. Konkret ist dies ein Raum, in dem verschiedene Helfer eingebunden werden, um so die Auswirkungen der dementiellen Erkrankung auf mehreren Schultern zu verteilen. Diesen Raum soll das StattHaus bieten.

Worüber freuen Sie sich am meisten?
Zunächst einmal freue ich mich, dass die Hans und Ilse Breuer-Stiftung mit dem StattHaus solch ein außergewöhnliches Projekt tatsächlich umsetzt, trägt und dauerhaft finanziert. Das allein ist schon eine nicht zu unterschätzende Leistung und die Grundlage für alles, was hier entsteht. Besonders freue ich mich über die große Anteilnahme und Begeisterung, die mir von den Bürgern in der Nachbarschaft und den zukünftigen Kooperationspartnern entgegenkommt. Ich lerne jeden Tag nicht nur äußerst interessante Menschen kennen, sondern auch jedes Mal mehr dazu. Am meisten freue ich mich natürlich, wenn die ersten Mieter einziehen, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
 

 

Das StattHaus in den Medien

Auch die Medien interessieren sich für das Projekt StattHaus, so zum Beispiel der lokale Fernsehsender RheinMainTV.
Sie finden den Beitrag und weitere Veröffentlichungen hier.

 

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