StattHaus-WG: Übergang in eine neue Wohn-, Lebens- und Versorgungsform

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StattHaus-WG: Übergang in eine neue Wohn-, Lebens- und Versorgungsform

Wer schon einmal als Angehöriger den Aufbau einer Demenz-WG mitgemacht hat, weiß um die Herausforderungen sowie detailreichen Planungs- und Abstimmungsschritte, die zu meistern sind. Und er weiß auch, welche Fragen und Unsicherheiten sich während der Vorbereitungen ergeben können. Wer bringt welches Mobiliar mit und koordiniert die Inventarliste? Was wird überhaupt gebraucht, auf was kann – oder muss vielleicht sogar – verzichtet werden. Welche Einrichtungsgegenstände müssen gekauft werden und wer kümmert sich darum? Wer führt nach dem Einzug die Haushaltskasse und wie handhaben wir es mit Einkäufen? Welchen Beitrag kann und soll ich leisten und – eine der wichtigsten Fragen überhaupt lautet: Wird mein Angehöriger gut versorgt sein und sich wohlfühlen? Aber natürlich auch: Mit welchen Kosten muss ich monatlich für Pflege, Betreuung und Miete rechnen?

Genau in diesem spannenden Stadium befinden sich aktuell die an der StattHaus-WG interessierten Angehörigen. Unterstützt von WG-erfahrenen freiwilligen Helfern, den ersten WG-Paten und der Projektleitung durchlaufen sie einen Prozess, der durch zahlreiche Entscheidungen, aber auch Geduld und Überzeugungsarbeit geprägt ist. Denn selbst, wenn es bundesweit bereits über 300 ambulante Wohn-Pflege-Gruppen gibt, sind sie im StattHaus Offenbach diejenigen, die hier den Grundstein legen und dabei Pionierarbeit leisten.
Nachdem im Frühjahr der Schwerpunkt auf der Auswahl des Pflegedienstes sowie Reflexionen zur eigenen Rolle und WG-spezifischen Themen lag, freute sich die Gruppe auf die Hausbegehung am 10. Juni, bei der die Räumlichkeiten besichtigt und erste Zimmerverteilungen angedacht wurden. Zudem hat die Angehörigengruppe im Frühjahr eine bedeutende Entscheidung getroffen: Aus der im vergangenen Jahr durchgeführten Ausschreibung hat sich der Pflegedienst KOMM ambulante Dienste e.V. aus Frankfurt gegen insgesamt drei Bewerber durchgesetzt. Hier geht es in den kommenden Wochen und Monaten darum, sich immer besser kennenzulernen sowie die Alltagsgestaltung, Abläufe und Zuständigkeiten in der Wohngruppe gemeinsam zu besprechen. Parallel dazu sind die verantwortlichen Leitungspersonen von KOMM dabei, verschiedene Positionen für die WG über interne und externe Ausschreibungen auszuloben. Gesucht werden insbesondere examinierte Pflegefachkräfte 30-35 Stunden/Woche, Pflegehelferinnen/Pflegehelfer 30-35 Stunden/Woche, Nachtwachen 35-39 Stunden/Woche. Bewerbungen können bis zum 11.07.2014 an Frau Ulrike Krusemark-Camin, Sozialstationsleitung KOMM ambulante Dienste e.V. geschickt werden. Auch Interessierte am Bundesfreiwilligendienst und am Freiwilligen Sozialen Jahr sind willkommen. Geplant ist, dass für die StattHaus-WG ein eigenes Pflege- und Betreuungsteam für die 24-Stunden-Versorgung aufgestellt, geschult und qualifiziert wird.

Natürlich interessierte uns, wie KOMM sich darüber hinaus auf die Aufgabe im StattHaus vorbereitet. Deshalb haben wir 3 Fragen an Ulrike Krusemark-Camin, Leiterin der Sozialstation von KOMM gestellt:

1. Was hat Sie bewogen, sich als ambulanter Dienst im StattHaus zu bewerben?
Die Idee einer WG geistert schon lange in unseren Köpfen, weil es ein zukunftsweisendes Angebot ist. Nun haben wir durch die Breuer-Stiftung, das StattHaus und die Angehörigen die Chance bekommen diese Idee gemeinsam umzusetzen. Inhaltlich haben wir seit den Achtzigerjahren Strukturen und einen Arbeitsansatz entwickelt, um mehrstündige Hilfen aus einer Hand anzubieten. Aus unseren Erfahrungen heraus wissen wir, wie wichtig es ist, den Menschen nicht nur pflegerische und hauswirtschaftliche Dienste zu bieten, sondern eine umfassende, den ganzen Alltag umspannende Hilfe und Betreuung zu gewährleisten. Diesen Ansatz können wir in einer Wohngemeinschaft realisieren.

2. Was verbinden Sie mit der WG-Begleitung?
Wir verbinden damit ein Arbeiten ganz nah an den Bedürfnissen und Anforderungen der Menschen. Aufgrund der kleinen Einheit können sich die Kommunikation und der für Menschen mit Demenz wichtige Beziehungsaufbau unkompliziert gestalten. Im Gegensatz zu herkömmlichen ambulanten Pflegeeinsätzen bietet zudem die 24-Stunden-Präsenz von MitarbeiterInnen fantastische Möglichkeiten, zeitlich und inhaltlich auf die jeweiligen Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Der Tagesablauf wird sich am Rhythmus und den Gewohnheiten der Mieter mit Demenz entwickeln, wobei gemeinsame Aktivitäten im alltäglichen Ablauf den Rahmen bilden. Durch den engen Kontakt zu den Angehörigen sowie den regelmäßigen Treffen mit ihnen und freiwilligen Helfern können eine hohe Qualität sichergestellt und besondere Details direkt besprochen werden. Wie im häuslichen Bereich wird die Versorgung und Betreuung gemeinsam geplant und abgestimmt, durch den hoffentlich entstehenden Teamgeist können außerdem Synergieeffekte entstehen, die allen zugutekommen.

3. Wie bereiten Sie sich auf die neue Aufgabe vor?
Die Vorbereitung findet auf verschiedenen Ebenen statt: Bezogen auf das StattHaus heißt das: Kennenlernen der Räumlichkeiten, Kennenlernen und Abgleichen der verschiedenen Leitbilder und „Philosophien“ StattHaus/WG-Angehörige und KOMM, Ideen zur Fortbildungsplanung. Bezogen auf die MitarbeiterInnen haben wir intern und extern Stellen ausgeschrieben. Wir entwickeln einen Dienstplan und beginnen Bewerbungsgespräche zu führen. Für neue MitarbeiterInnen planen wir die Einführung bei KOMM, Einarbeitung im ambulanten Dienst und Einführungsschulungen. Unsere Aufgaben bezogen auf die Mieter und Angehörigen ist: Kennenlernen der Angehörigen, gemeinsame Überlegungen zum Kennenlernen der zukünftigen Mieter, Vorbereitung der Vertragsvereinbarungen, gemeinsame Treffen und erste Strukturierungsvorschläge für das Leben in der WG, Überlegungen und Planung der Anbindung der WG an KOMM. Parallel zu allen Planungen und Überlegungen führen wir eine „offene Fragenliste“.

 

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