Interview mit Michaela Stollreiter

Spenden & Helfen

Interview mit Michaela Stollreiter zur Aufbauarbeit der zukünftigen Wohngemeinschaft

Warum möchten Sie sich beim StattHaus WG-Aufbau engagieren?

Meine Entscheidung, mich bei dem Projekt zu engagieren hatte unterschiedliche Motivationen. Ich habe mich eine Zeit lang durch den Erhalt der Newsletter über die Fortschritte in dem Projekt informiert und fand es ein sehr spannendes Konzept, das die Hans und Ilse Breuer-Stiftung hier verfolgt. Ich interessiere mich für das Thema seitdem ich meinen an Demenz erkrankten Vater viele Jahre begleitet habe. Mit ihm zusammen durfte ich die Demenz-WG in Seeheim-Jugenheim aufbauen. Dort wohnte er bis zu seinem Tod. Ich hatte das Amt der Angehörigen-Sprecherin. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, damals mit der Angehörigengruppe zusammen zu arbeiten und ein Stück auch gemeinsam zu leben. Die Höhen und Tiefen, die wir zusammen meisterten, waren ein Lebensabschnitt, den ich nicht missen möchte. Ich verbrachte sehr viel Zeit und Engagement dort. Eine Menge Herzblut ist in den Aufbau der WG geflossen. All diese Erfahrungen und auch gemeisterte Herausforderungen möchte ich gerne weitertragen. Ich bin der festen Meinung, dass diese alternative Wohnform genau das Richtige ist, um Menschen mit Demenz ein würdevolles Leben zu bieten. Das StattHaus mit all den Angeboten, die dort unter einem Dach stattfinden werden, ist eine Entwicklung dessen, was ich in Seeheim-Jugenheim erlebt habe. So ein Projekt erfordert unermüdliche Energie und immer wieder neue Ideen, aber ich bin stolz, Teil dieses Projektes sein zu können. Es ist ein spannendes Abenteuer, welches ich gerne begleiten möchte.

Welche Erfahrungen bringen Sie in dieser Hinsicht mit?

Ich bringe einen großen Wissensschatz aus dem Aufbau und dem Alltag der WG in Jugenheim mit. Daher kann ich mich sehr gut in Menschen und deren Herausforderungen im Umgang mit an Demenz erkrankten Familienangehörigen hineinversetzen. Darüber hinaus bringe ich durch meine berufliche Tätigkeit einiges an Erfahrung und Qualifizierungen im Bereich Projektmanagement mit. Derzeit bin ich in einer großen Organisation im Bereich Training und Weiterbildung als Teamleiterin tätig. Wir begleiten Menschen bei jeglicher Form von Veränderungsprozessen im Unternehmen. In Workshops und Trainings steuern wir gruppendynamische Prozesse, die natürlich auch Konflikte mit sich bringen. Der Umgang mit unterschiedlichsten Menschen und Gruppen im privaten und beruflichen Kontext ist mir also nicht fremd. Gerne möchte ich diese Kompetenzen im StattHaus einbringen.

Was werden Ihre Aufgaben sein?

Ich begleite die Treffen der Angehörigen und unterstütze den Gruppenbildungsprozess dort während der Aufbauphase. Darüber hinaus möchte ich zukünftig gerne mit der Gruppe der Ehrenamtlichen arbeiten, um diese bestmöglich zu informieren und am Ball zu halten. Ich assistiere der Projektleiterin in verschiedenen Themen und Fragestellungen.

Worauf kommt es Ihrer Meinung nach an, wenn es darum geht, die passenden WG-Personen zu finden?

Aus meiner zurückliegenden Erfahrung kann ich berichten, dass es in erster Linie darauf ankommt, welche Familienmitglieder beziehungsweise Angehörigen die zukünftigen Mieter mitbringen. Das Zusammenleben in der WG kann man gut steuern, wenn die Angehörigen an einem Strang ziehen und sich einig sind. Es kann ruhig eine bunt gemischte Gruppe sein, mit den unterschiedlichsten Stärken. Es gibt so viele Aufgaben, die in der WG ausgeführt werden müssen, da ist es eher von Vorteil, verschiedene Kompetenzen an Bord zu haben. Für die Umsetzung und den Alltag ist es grundsätzlich sehr wichtig, dass die Angehörigen sich wirklich beteiligen. Dazu gehören neben den aktivierenden und begleitenden Tätigkeiten im WG-Alltag auch jede Menge organisatorische Aufgaben. Dazu benötigt man eine starke selbstständige Gruppe. Wenn man diesen Unterbau stabil aufgebaut hat, sind der Alltag und die Betreuung in der WG nur noch halb so wild.

Was sollen Angehörige beachten, wenn sie sich für eine WG interessieren? Welche Voraussetzungen sollten sie mitbringen?

Eine WG ist nichts für Angehörige, die ihre Lieben abgeben möchten, sie müssen bereit sein, den Betroffenen und die gesamte WG zu begleiten, zu unterstützen und bei der Organisation mitzuhelfen. Das heißt, man entscheidet und gestaltet mit, wie der Ablauf eines Tages aussehen wird, welcher Pflegedienst engagiert wird und so weiter. Sie sollten Neugierde mitbringen für eine wunderbare Zeit, die man mit Menschen mit dem gleichen Schicksal verbringt. Optimal ist es, es als Geschenk zu sehen, sich mit Personen austauschen zu können, die ähnliche Erfahrungen machen und sich in allen Situationen des Lebens gegenseitig Hilfestellungen geben zu können.

 

Newsletter

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter der Hans und Ilse Breuer-Stiftung bestellen und sich regelmäßig über die Entwicklungen sowie aktuelle Preisträger der Stiftung informieren.