3. Fachtagung „Beruf und Pflegeverantwortung vereinbaren“ am 8.9.2011

© Jutta Burgholte-Niemitz

 

Einen pflegebedürftigen Angehörigen betreuen, gleichzeitig jeden Tag fit im Büro erscheinen und 100 Prozent Leistung bringen – auf Dauer kaum möglich. Im Zuge der demografischen Entwicklung stellt das Thema Berufstätigkeit und Pflege nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Unternehmen vor besondere Herausforderungen. In Offenbach haben sich hierzu seit 2010 das DGB Bildungswerk Hessen und die Stadt zusammengeschlossen, um gemeinsam mit lokalen Akteuren darüber zu diskutieren und Lösungsansätze zu finden. So auch am 8. September. Da diese Problematik auch bei Demenz besteht – oft noch drastischer weil unplanbar – nahm Jutta Burgholte-Niemitz als Gast an der Fachtagung in den Räumen der EVO AG teil. Als Vorreiterunternehmen beschäftigt sich der lokale Energieversorger bereits seit längerem mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, erhielt dafür 2009 für sein Engagement das Zertifikat „Audit Beruf und Familie“ der Hertie-Stiftung.

Nach der Begrüßung durch die Organisatoren und Gastgeber, Oberbürgermeister Horst Schneider, DGB-Leiterin Birgit Groß und EVO-Vorstandsvorsitzender Michael Horman, wurden anhand von Vorträgen verschiedene Aspekte zur Verbesserung der Work-Life-Balance erörtert. Im Rahmen des rund fünfstündigen Programms erhielten Vertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung, des Pflegestützpunkts Offenbach, des Instituts für sozialwissenschaftlichen Transfers und eine Kompetenztrainerin Gelegenheit, ihre Konzepte und Angebote vorzustellen.

Zum Abschluss ging es noch einmal konkret um die Umsetzung in den Unternehmen selbst. Wie müssen Strukturen beschaffen sein, damit ein Mitarbeiter gleichzeitig Geld verdienen und dennoch ausreichend für ihre Familienmitglieder da sein kann? Wie können Firmen sensibel auf die Situation ihrer Mitarbeiter eingehen? Welche Möglichkeiten gibt es, um wirtschaftliche Interessen mit sozialverträglichen Forderungen zu verbinden? Hier sind außer der Unternehmensleitung vor allem Personalabteilungen gefragt, mit deren Vertretern Karin Dörr, Leiterin des Frauenbüros der Stadt Offenbach, in einer Gesprächsrunde diskutierte.

Einige interessante Fakten, die zum Nachdenken anregen, zusammengestellt und vorgetragen von Diplom-Soziologe Stephan Reuß:

• Pflege ist (noch) hauptsächlich weiblich – Hauptpflegende sind zu ¾ Frauen
• Pflegende sind in der Regel zwischen 40 und 64 Jahre alt
• Pflegende gehören häufig der „Sandwich“-Generation an, haben also Kinder, Eltern und einen Beruf
• Eine Pflegetätigkeit dauert im Schnitt 8,2 Jahre und umfasst 37 Wochenstunden
• Folgekosten aufgrund mangelnder Vereinbarkeit von Pflege und Beruf (z.B. durch Ausfälle/Krankheit): 18,94 Mrd. € (über 14.000 € pro Beschäftigten!)
• 2/3 der Bevölkerung sind zur (Mithilfe an) Pflege bereit, jedoch ist der Wunsch oft nicht realisierbar

Gleichzeitig hat der Beruf als Ausgleich zur Pflege eine große Bedeutung, wie Zitate beweisen („Ohne meine Arbeit würde ich das so nicht durchstehen“).

Für alle, die sich für das Thema interessieren: Weiterführende Informationen gibt es auf www.beruf-und-familie-in-offenbach.de.
 

 

Newsletter

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter der Hans und Ilse Breuer-Stiftung bestellen und sich regelmäßig über die Entwicklungen sowie aktuelle Preisträger der Stiftung informieren.