Interview B. Röschmann

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„Es wird noch einige Zeit dauern, bis für die Unternehmen der Umgang mit der Vereinbarkeit zwischen Beruf und Pflege genauso selbstverständlich geworden ist wie der Umgang mit der Vereinbarkeit von Beruf und Kindererziehung“

Interview mit Beate Röschmann, Abteilungsleiterin Personalentwicklung Stadt Offenbach

Frau Röschmann, Sie waren eine der Akteure bei der Fachtagung zum Thema Beruf und Pflege. Welche Erkenntnisse haben Sie aus der Veranstaltung mitgenommen?

Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist ein großes Zukunftsthema für die anwesenden Unternehmen. Bereits heute gibt es viele Aktivitäten und Unterstützungsmöglichkeiten, deren Vernetzung noch voran gebracht werden sollte. Deutlich wurde, dass keine Pauschallösungen, sondern Lösungen für die Einzelfälle zu erarbeiten sind.

Welche Herausforderungen sehen Sie in Zukunft besonders auf die Unternehmen und die Personalverantwortlichen zukommen?

Eine der größten Herausforderungen wird es sein, Konzepte zu erarbeiten, wie es zukünftig gelingen kann, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Kompetenzen, Fähigkeiten und Erfahrungen im Unternehmen zu halten, auch oder gerade wenn sie Beruf und Pflege miteinander vereinbaren wollen. Es müssen Lösungsansätze erarbeitet werden, die den Einzelfall berücksichtigen, aber auch die Organisationseinheit (Kolleginnen und Kollegen, Aufgaben, Abläufe etc.) insgesamt nicht zusätzlich belasten. Das alles unter sehr angespannten finanziellen Voraussetzungen (zumindest in den Kommunen). Wichtig wird auch sein, eine Datengrundlage zu erstellen, da es in sehr vielen Unternehmen häufig keinen Überblick darüber gibt, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus welchen Bereichen sich tatsächlich in einer Pflegesituation befinden. Dies erfährt man häufig erst quasi nebenbei in einem Gespräch.

Bei der Veranstaltung ging es um das Thema Pflege allgemein. Demenz bringt für pflegende Angehörige noch einmal andere Probleme mit sich. Gibt es hierzu bereits Überlegungen oder Konzepte, die sich konkret mit der Situation Demenz und Alzheimer befassen?

Hierzu gibt es noch keine konkreten Überlegungen oder Konzepte, außer einem für Frühjahr 2012 angedachten Workshop zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung Offenbach, dem Pflegestützpunkt, der Breuer-Stiftung in Offenbach und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Was muss Ihrer Meinung nach innerhalb der Unternehmen passieren, damit Mitarbeiter trotz der Doppelbelastung leistungsfähig bleiben können?

Personalabteilungen, Führungskräfte, Personal- und Betriebsräte, Frauenbeauftragte, aber auch alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der unterschiedlichen Ebenen werden für dieses Thema sensibilisiert werden müssen, damit die entstehenden Probleme besprochen werden können. Hierzu werden Informationen bereit gestellt sowie Vorträge und Workshops durchgeführt werden müssen. Weiterhin müssen Unternehmen darüber nachdenken, ob und wie Arbeitsinhalte und Verantwortlichkeiten ggf. für bestimmte Zeiträume verändert werden können, damit die Arbeit auch für pflegende Angehörige bewältigbar bleibt. Hilfreich können auch der (evtl. begleitete) Austausch zwischen pflegenden Angehörigen sein und / oder unterstützende Workshops. Es wird auch Angebote zur Gesunderhaltung geben müssen.

Gibt es Konzepte, die Sie persönlich für sehr gelungen und zukunftsweisend halten?

Die „Kompetenztrainings für pflegende Angehörige“, die wir in der Stadtverwaltung durchführen, sind ein guter Einstieg für Unternehmen, sich diesem Thema zu nähern, weil sehr viele Informationen vermittelt und Kontakte untereinander geknüpft werden können, reichen aber nicht aus. Ansonsten kenne ich keine entsprechenden Konzepte, die ich für sehr gelungen halte. Ein Austausch unter den Unternehmen könnte hier sinnvoll sein.

Können Sie einen Ausblick wagen, in welcher Form und bis wann sich Unternehmen auf die sich altersstrukturell veränderte Gesellschaft einstellen müssen?

Die altersstrukturell sich verändernde Gesellschaft ist bereits für viele Unternehmen Realität, da sich die Lebensarbeitszeit verändert, Nachwuchskräfte rar sind und das Auswirkungen auf die Gestaltung der Arbeit und der Abläufe hat. Hier werden Ansätze und Konzepte für den Erhalt der Qualifikation und der Gesundheit für ältere Beschäftigte erarbeitet werden müssen. Es wird noch einige Zeit dauern, bis für die Unternehmen der Umgang mit der Vereinbarkeit zwischen Beruf und Pflege genauso selbstverständlich geworden ist wie der Umgang mit der Vereinbarkeit von Beruf und Kindererziehung. Gerade bei letzterem gibt es mittlerweile sehr gute gesetzliche Regelungen, aber auch unternehmensinterne Vereinbarungen, von Kontaktbörsen während der Beurlaubungszeit bis zur Übernahme von Kinderbetreuungskosten bei dem Besuch einer Fortbildungsveranstaltung. Ähnliches könnte ich mir auch für das Thema „Beruf und Pflege“ vorstellen.

Auch Ihnen ganz herzlichen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Jutta Burgholte-Niemitz.

 

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