Eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft

Eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft

„Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.“ Es ist nicht klar, von wem dieses Zitat ursprünglich stammt. Klar ist nur: Die Zukunft interessiert uns brennend. Aus Sicht der Bevölkerungsgesundheit ist beispielsweise interessant, welche Folgen eine Reduzierung der bekannten und beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz haben könnte. Diverse Hochrechnungen haben sich bereits mit dieser Fragestellung beschäftigt.  Eine Prognose: Bei einer 10 bis 50-prozentigen Reduktion von sieben Risikofaktoren würde ein merklicher Anteil der Demenzfälle verhindert werden.

 
Grafik Risikofaktoren
 
 

Welche Mechanismen spielen bei der Prävention eine Rolle?

Natürlich will man wissen, wie Prävention genau funktioniert: Warum stärkt zum Beispiel Sport und Bewegung unsere geistige Fitness? Hier wird viel geforscht. Für die einzelnen beeinflussbaren Risikofaktoren werden verschiedene Mechanismen diskutiert, die in folgender Abbildung vereinfacht zusammengefasst sind.

 

 
Grafik Präventive Maßnahmen
 
 

Prävention in der Gesellschaft: Brauchen wir eine Brain Health Agenda?

Menschen sind soziale Wesen und eingebettet in soziale Kontexte, in Familien, in Organisationen (z.B. Schulen, Betriebe), in Nachbarschaften, Gemeinden und ganze Gesellschaften. Welchen Stellenwert sollte Demenz-Prävention in diesen Gruppen einnehmen? Nehmen wir das Beispiel Sport und Bewegungsförderung: Ja, der Einelne kann etwas tun – er schafft sich zum Beispiel einen Schrittzähler an und setzt sich ein Schrittziel. Es fällt leichter, wenn Freunde motivieren oder begleiten.

Aber auch das Umfeld spielt eine Rolle: Wurden in der Schule Grundlagen für ein bewegteres Leben gelegt? Gibt es Sportvereine und Angebote für Senioren? Gibt es genügend Radwege, die ein Umsteigen vom Auto aufs Rad erleichtern? Gibt es Fußwege und Parks zum Walken oder Spazieren? An diesem Beipiel wird schnell klar, dass Demenzprävention nicht nur eine Frage des persönlichen Lebensstils, sondern auch eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft ist.

Sozio-ökologische Modelle betrachten den Einzelnen im Spannungsfeld seiner direkten und entfernten Umwelt. Sozio-ökologische Präventionsmodelle berücksichten also sowohl das Verhalten des Individuums als auch die Einwirkungen seiner Lebensverhältnisse. Diese Modelle verweisen eindrucksvoll darauf, dass gelungene Prävention immer eine Kombination aus Verhaltens- und Verhältnisprävention ist. Sie geben uns eine Idee, wie eine demenzpräventive Umwelt gestaltet werden kann. Leider stehen wir mit diesen Überlegungen erst noch am Anfang.

 
Grafik sozio-ökonomische Maßnahmen
 
 

Quellenverzeichnis

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