Körperlich und geistig fit

Körperlich und geistig fit

Viel Bewegung, ein aktives Sozialleben und geistige Herausforderungen in Job und Freizeit: Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko senken, später an einer Demenz zu erkranken. Was können Sie tun, um auch im Alter geistig fit zu bleiben?

1. Werden Sie körperlich aktiv: Jeder Schritt lohnt sich!

Menschen, die regelmäßig Sport treiben und sich regelmäßig bewegen, haben größere Chancen, ihre kognitive Leistung zu erhalten als diejenigen, die dies nicht tun.  Das besagen nicht nur einzelne Studien, sondern zahlreiche sogenannte Metaanalysen, die die Ergebnisse von vielen einzelnen Studien zusammenfassen.  Bewegung schützt vor dem Verlust kognitiver Funktionen und Menschen, die sich bewegen, haben ein geringeres Risiko, später an einer Demenz zu erkranken.  

Generell geht man davon aus: Je mehr Bewegung, desto besser. Letztlich ist jedoch die Frage noch nicht abschließend beantwortet, welche körperlichen Aktivitäten in welcher Intensität und in welcher Dauer bzw. Häufigkeit in besonderer Weise schützend wirken. Es gibt Hinweise, dass körperliche Anstrengungen, z.B. Fahrradfahren, Wandern oder Gärtnern, bereits ab einem Mal pro Woche eine Wirkung entfalten.

Sogar klein anzufangen lohnt sich also, denn es gibt ebenfalls Hinweise, dass Menschen mit nur geringfügiger körperlicher Betätigung im Vergleich zu solchen ohne jedwede körperliche Betätigung ein geringeres Demenzrisiko aufweisen. Jeder Schritt lohnt sich!

Unser Tipp: Nutzen Sie einen Schrittzähler! Vielleicht verfügt auch Ihr Smartphone über eine solche Funktion. Studien zeigen, dass allein das Tragen eines Schrittzählers motiviert, sich mehr zu bewegen.

Quellen

2. Integrieren Sie sich sozial!

Menschen sind soziale Wesen. Soziale Aktivitäten tragen dazu bei, geistig fit zu bleiben und das Demenzrisiko zu senken. Eine Metaanalyse vieler großer Kohortenstudien zeigt dies eindrücklich: Geringe Ausmaße sozialer Teilhabe, wenige Sozialkontakte und Einsamkeit erhöhen das Risiko einer späteren Demenz.  Ein größeres soziales Netzwerk hingegen scheint einen positiven Beitrag zum Erhalt des kognitiven Funktionsniveaus bei Älteren zu leisten.  Auch bedeutsam ist die Qualität der Beziehungen. 

Gerade ältere Menschen müssen oft Veränderungen und Verluste hinnehmen – dazu zählen u.a. der Gang in die Rente oder der Tod von nahen Angehörigen oder Freunden. Intensive soziale Kontakte und der Kampf gegen die Einsamkeit haben in dieser Lebensphase einen hohen Stellenwert.

Quellen

3. Erhöhen Sie Ihre kognitive Reserve!

Durch Bildung, mentale Anforderungen bei der Arbeit, aber auch durch geistig fordernde Freizeitaktivitäten wird eine sogenannte „kognitive Reserve“ aufgebaut. Diese kann man sich wie einen Puffer vorstellen, der vor geistigem Abbau schützt.  Sollten Abbauprozesse einsetzen, sind Menschen mit einer hohen kognitiven Reserve zunächst weniger stark und schnell betroffen. Weil sie über größere Reserven verfügen, können sie ihre geistige Leistungsfähigkeit aufrechterhalten. 

Die andere Seite dieser Medaille: Geringere Bildung ist mit einem erhöhten Risiko verbunden, an einer Demenz zu erkranken.  Pro zusätzlichem Bildungsjahr geht man von einem um sieben Prozent reduzierten Demenzrisiko aus.  Eine deutsche Studie zeigte, dass ein Bildungsweg von mindestens zehn Jahren oder Abschlüsse an Fachschulen, Hochschulen und Berufsakademien das Demenzrisiko senken.  Doch auch im fortgeschrittenen Alter schützt Bildung vor Demenz: Wer lebenslang lernt, erhält länger seine kognitive Leistung.

Der Beruf füllt für viele Menschen einen großen Teil ihrer Lebenszeit. Herausforderungen am Arbeitsplatz können sich positiv auf die geistige Fitness im Alter auswirken und gegen Demenz schützen.  Dieses Phänomen wurde bisher unterschätzt und gerät erst seit Kurzem ins Blickfeld der Forschung. Von Vorteil sind Arbeitsplätze, die durch Komplexität, Abwechslung und Selbstbestimmtheit geprägt sind. Diese Erkenntnisse sollten auch in die zukünftige Gestaltung unserer Arbeitswelten eingehen.

Doch dem Demenzrisiko lässt sich auch in der Freizeit entgegenwirken. Eine aktive Teilnahme an geistig fordernden Freizeitaktivitäten in der Lebensmitte, aber auch im höheren Alter, kann einem erhöhten Risiko für Alzheimer-Erkrankung und Demenz bei Älteren vorbeugen.  Das bezeugen mehrere Studien. Zu den geistig fordernden Freizeitaktivitäten zählen das Lesen von Zeitungen oder Büchern, das Spielen (z.B. Schach oder Kartenspiele, Kreuzworträtsel, Theaterbesuche oder künstlerische Tätigkeiten).

Diese Effekte legen nahe, kognitives Training z. B. als Gruppenangebot oder als computergestütztes Training gesamtgesellschaftlich stärker in den Blick zu nehmen. Einheitlich ist die Forschungslage hierzu jedoch nicht. Holländische Forscher haben in einer Literaturübersicht gezeigt, dass sich bestimmte Bereiche wie z.B. Gedächtnis, logisches Denken, Aufmerksamkeit oder Prozessgeschwindigkeit durch solche Trainings verbessern lassen.  Wir gehen davon aus, dass gerade die Möglichkeiten computerbasierter Programme, welche ein spielerisches und motivierendes Training kognitiver Funktionen ermöglichen, in Zukunft stärker ausgelotet werden.

Quellen

 

Quellenverzeichnis

 

1. Werden Sie körperlich aktiv: Jeder Schritt lohnt sich!

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2. Integrieren Sie sich sozial!

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3. Erhöhen Sie Ihre kognitive Reserve!

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