Bericht zum Eibsee-Meeting 2018

Das Eibsee-Meeting ist eine alljährliche Konferenz zum Thema „Zelluläre Mechanismen von neurodegenerativen Erkrankungen“. Das Meeting fand dieses Jahr bereits zum 18. Mal am Fuße der Zugspitze statt und zieht neben Wissenschaftlern aus Deutschland auch viele internationale Teilnehmer an. Bereits seit den Anfängen im Jahr 2000 wird das Meeting rund um Prof. Dr. Christian Haass (Kuratoriumsmitglied der Stiftung) von der Hans und Ilse Breuer-Stiftung unterstützt. Neben den hochkarätig eingeladen Wissenschaftlern aus aller Welt, haben auch Doktoranden die Möglichkeit ihre neuen Forschungsergebnisse zu präsentieren und zu diskutieren.

Jedes Jahr gibt es neben dem allgemeinen Titel „Cellular Mechanisms of Neurodegeneration“ weitere Unterteilungen in besonders interessante und aktuelle Themen im Bereich der neurodegenerativen Erkrankungen. Dieses Jahr lag der Hauptfokus der Konferenz auf Phasenseparation, Entzündungsmechanismen und dem Einfluss des Mikrobiom auf neurodegenerative Erkrankungen. Außerdem gab es eine spezielle Sektion über die Kollaboration zwischen der Washington University und SyNergy („Munich Cluster for Systems Neurology“), dem Exzellenzcluster der LMU und TU München.

So wurde zum Beispiel die Möglichkeit diskutiert, dass Änderungen in der Salzkonzentration, Modifikation beim Herstellen von Proteinen oder die Interaktion mit anderen Molekülen die biochemischen Eigenschaften von Proteinen so verändern können, dass es zu einer abnormalen Phasenseparation kommt. Diese Phasenseparation kann man sich vorstellen wie die Trennung von Essig und Öl und ist ein normaler und wichtiger Prozess im Körper. Ist dieser jedoch gestört und es kommt zu einer vermehrten, abnormalen Separation von Proteinen, kann dies die Entstehung von Ablagerungen im Gehirn begünstigen und ein initialer Schritt bei der Entstehung einer Demenz sein.

Ein weiterer Fokus lag auf der Myelinierung von Axonen. Die Myelinschicht ist eine fettähnliche Ummantelung von Nervenbahnen, die hilft, Signale um ein Vielfaches schneller weiterzugeben. Kommt es zu Schädigungen dieser Schicht, ist der Informationsfluss soweit unterbrochen bzw. verlangsamt, dass es zu neurologischen Störungen führt. Ein bekanntes Beispiel ist hierbei Multiple Sklerose. Um Möglichkeiten der Therapierbarkeit zu finden, ist es besonders wichtig, zu verstehen wie diese Fettschicht entsteht oder im Falle einer Verletzung reagiert, so dass man diese letztendlich durch ein Medikament oder eine Therapie wiederherstellen oder den natürlichen Reparationsmechanismus in Gang bringen kann.

In den letzten Jahren wurde außerdem immer mehr deutlich, dass nicht nur Veränderungen in Proteinen zu neurodegenerativen Erkrankungen führen können, sondern dass auch die Ernährung, das Mikrobiom oder eine Vorbelastung durch Diabetes das Risiko einer neurodegenerativen Erkrankung beeinflussen können.

So gibt es nicht nur Hinweise, dass die Zusammensetzung der Darmflora einen Einfluss auf die Schwere eines Schlaganfalls haben kann, sondern auch, dass Patienten mit Autismus eine ähnliche Darmflora aufweisen.

Im nächsten Jahr wird der Hauptfokus der Eibsee-Konferenz auf lysosomalen Dysfunktionen und der sogenannten neuronalen Ceroid-Lipofuszinose (NCL) liegen. NCL ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der es zu einer Fehlfunktion in Lysosomen kommt. Lysosomen sind ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Zelle und für den Abbau von körperfremden, aber auch körpereigenen Substanzen zuständig. Funktioniert dies nicht mehr, kommt es zu einer erhöhten Ablagerung von schädlichen Substanzen und Betroffene leiden unter Epilepsie, Halluzinationen und Demenz. Außerdem wurde festgestellt, dass es große Gemeinsamkeiten zwischen den Kennzeichen von NCL und der frontotemporalen lobären Degeneration (FTLD) gibt, was beide Krankheiten besonders interessant für die Forschung macht, da gemeinsame Mechanismen einen Hinweis auf mögliche Therapien oder Ursachen geben können.

 

Das Programm des Eibsee-Meetings 2018 finden Sie hier...

 

Unsere Webseiten verwenden Cookies zur Verbesserung der Bedienung und des Angebots sowie zur Auswertung von Webseitenbesuchen. Einzelheiten über die von uns eingesetzten Cookies und die Möglichkeit diese abzulehnen, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.