Freiwilliges Engagement

Interview mit Jahrespraktikantin Gudie Bejou

"Für mich war es wichtig, nach der Schule etwas Sinnvolles zu machen."

© Breuer-Stiftung

Gudie Bejou

 

Seit Juli 2018 absolviert die 19-jährige Gudie Bejou ein Jahrespraktikum im StattHaus mit dem Ziel, damit ihr Fachabitur abzuschließen. Sie ist in der Tagesgäste-Begleitung tätig und unterstützt das Café-Team. Wie Gudie zu uns kam, welche Erlebnisse sie besonders berühren und wie es ihr als jüngstes Teammitglied im StattHaus geht, lesen Sie hier:

Wie bist du auf die Idee gekommen, Dich im Statthaus für ein Jahrespraktikum zu bewerben?

Für mich war es wichtig, nach der Schule etwas Sinnvolles zu machen. Mir war nicht richtig klar, in welche Richtung ich gehen möchte. Ein Jahrespraktikum eignet sich sehr gut, um herauszufinden, was einem gefällt und was nicht. Ich war schon immer neugierig zu erfahren, wie der Umgang mit Menschen funktioniert. Das StattHaus kannte ich schon von einem zweiwöchigen Praktikum. Es war zwar schon länger her, ist aber definitiv positiv in Erinnerung geblieben, weswegen mich das überzeugt hat, mich in diese Arbeit zu stürzen.

Wie hast Du die Zeit seit Beginn des Praktikums erlebt?

Ich kann mich noch an meinen ersten Tag erinnern, ich war unglaublich aufgeregt. Ich muss ehrlich sagen, dass mir anfangs der Umgang mit den Gästen (Anmerkung: Tagesgäste mit Demenz) etwas schwer gefallen ist. Ich bin ein sehr schüchterner Mensch, aber irgendwann überwindet jeder seine Angst. Hier ist kein Tag wie der andere und es stellen sich mir immer neue Herausforderungen. Aber ich arbeite gemeinsam mit anderen in einem so starken Team, dass jeder Tag lustig endet und keine Aufgabe zu groß ist.

Was hast du in Bezug auf das Thema Demenz und im Umgang mit den Betroffenen (unseren Tagesgäste) gelernt?

Jeder von unseren Tagesgästen ist anders. Was mir auf jeden Fall aufgefallen ist: dass man versuchen sollte, nichts zu ernst zu nehmen. Es tut gut, in bestimmten Situationen einfach zu lachen und alles mit mehr Humor zu nehmen. Das nimmt einem keiner Übel und es löst eine gute Stimmung aus. Zur guten Stimmung trägt sicherlich auch die angenehme und „normale“ Atmosphäre im Café bei, da sich dort alle Generationen versammeln bzw. anzutreffen sind. Da wir uns mit unseren Tagesgästen oft im Café aufhalten, vergeht die Zeit unglaublich schnell und es ist immer etwas los.

Wie ist es für Dich als jüngstes Mitglied unter den älteren Kolleginnen und Tagesgästen zu sein?

Es ist wirklich nett und ich denke darüber nicht nach. Irgendwann gehört man einfach dazu. Tatsächlich kommen manchmal noch Anmerkungen über mein Alter, aber niemals negative. Wir erlauben uns alle mal einen Spaß darüber und es ist schön zu sehen, wie die Gäste mit mir umgehen. Sie sind extra vorsichtig, weil ich das „Küken“ im Team und unter den Tagesgästen bin.

Du hast noch 4 Monate vor dir. Gibt es etwas, das du vermissen wirst, wenn das Praktikum abgelaufen ist?

Definitiv die Menschen, die ich kennen lernen durfte. Ich habe bis jetzt so viele großartige Erfahrungen gemacht, weswegen ich dieses Praktikum schätze. Die schönsten Momente sind die, wenn die Tagesgäste uns über Vergangenes aus ihrem Leben erzählen und glücklich wirken. Dafür bin ich dankbar, das miterleben zu dürfen. Ich kann jedem empfehlen, die Kräfte die man, in eine gemeinnützige Arbeit zu stecken. Es ist jede Erfahrung wert.

Liebe Gudie, vielen Dank für dieses Interview und die geschilderten Eindrücke.

 
Eine freiwillige Helferin berichtet von einer besonderen Begegnung

„Jetzt weiß ich, was es heißt, dement zu sein“

„Jetzt weiß ich, was es heißt, dement zu sein“ – dieser Satz kommt von Angelika, einer freiwilligen Helferin, die sich schon seit vielen Jahren für das StattHaus engagiert. Erst beim Aufbau und der Organisation der Angehörigenseminare, dann beim Einzug ins StattHaus und immer wieder bei Veranstaltungen. Seit einiger Zeit unterstützt sie unsere Köchin „Gosia“ im Café bei der Zubereitung des Mittagstischs für unsere Tagesgäste und Besucher aus der Nachbarschaft.

Sie selbst hat ihre Mutter, die ebenfalls an einer Demenz litt, bis zum Schluss begleitet und gepflegt. Doch der Satz „Jetzt weiß ich, was es heißt, dement zu sein“ fällt in dem Moment, als Angelika mitbekommt, wie hilflos sich Menschen mit Demenz fühlen, wenn sie trotz vertrauter Begleitung in eine für sie unüberschaubare Situation geraten. Ein 91-jähriger weiblicher Tagesgast sagte nach der Rückkehr von einem Ausflug zu ihrem Mann, der im Café auf sie wartete: „Bin ich froh, wieder hier zu sein! Ich dachte, ich sehe Dich nie wieder!“ Sie wiederholte diesen Satz immer wieder. Ganz offensichtlich war sie unendlich froh, dass alles wieder „in Ordnung“ war.

Was heißt das für uns? Dass wir Betroffene nicht mehr fordern, ihnen nichts mehr zutrauen und sie nur noch in ihren vier Wänden lassen sollten? Wir denken nein. Sicherheit ist wichtig und doch zeigt diese Szene, wie belebend es sein kann, wenn auch ein Mensch mit Demenz eine Situation meistert und danach Beziehungen sogar wieder einen ganz neuen Wert erhalten. Und es beweist, dass Ausprobieren immer zur Begleitung dazu gehört. Diese Erfahrung machen unsere freiwilligen Helfer in der Tagesgästebegleitung täglich. Denn eine Vorhersehbarkeit für das Verhalten eines Menschen gibt es gerade mit einer Demenz nicht. Umso wichtiger, dass es Orte und Personen gibt, die sich dieser Aufgabe freiwillig stellen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Begleitung von Betroffenen bei uns im StattHaus leisten.

Haben Sie Lust, Teil unseres Teams zu werden oder möchten Sie mit einer Zeit- oder Geldspende die Arbeit mit unseren Tagesgästen unterstützen? Nehmen Sie Kontakt zu uns auf: Telefonisch unter 069-2030 5546 oder per Mail an info@breuerstiftung.de 

 

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